19. September 2007

Letzte Zeit in Jerusalem

Zu Beginn des vorletzten Tages unserer bpb-Reise beschaeftigten wir uns zunaechst durch eine lehrreiche Praesentation religioeser (muslimischer, juedischer, christlicher) Geschichte Jerusalems mit der Frage, ob diese Stadt Schluessel oder Hindernis zum Frieden ist. Nach einer Einfuehrung zum naechsten Punkt begaben wir uns auf eine Exkursion an der bis zu neun Meter hohen "Sicherheitsmauer" bzw. am nicht so hohen "Sicherheitszaun" rund um Jerusalem. Nach der "Mauertour" hatten wir etwas Freizeit, die ich mit einigen anderen nutzte, um in den engen Gassen Jerusalems Bummeln zu gehen. Die Zeit verflog schnell, sodass wir bald zur naechsten Runde ins Hotel mussten. Dort trafen wir uns mit zwei Mitgliedern des Parents Circle - Families Forum (Elternkreis - Familienforum), einem Zusammenschluss von Menschen, die, wie der Referent Rami es ausdrueckte, durch Gewalt im israelisch-palaestinensischen Konflikt "den hoechstmoeglichen Preis gezahlt haben", also einen ihnen nahen Menschen verloren haben. Die Organisation hat einen palaestinensischen und einem israelischen Teil, die eng zusammenarbeiten, um weitere Eskalation und Gewalt zu verhindern, damit es nicht noch mehr Opfer gibt. Ihre wichtigste Methode ist Aufklaerung durch Gespraeche, vor allem in Schulen, aber auch fuer Erwachsene. Weiterhin bieten sie Versoehnungsprogramme, Kontakt mit der "Gegenseite" (IsraeliN mit PalaestinenserIn und umgekehrt) per Internet oder Telefon (bislang gab es bereits ueber eine Million Telefongespraeche!), TV- und Radiosendungen und einiges mehr an. Ramis Geschichte - er hat seine 14 jaehrige Tochter bei einem Selbstmordattentat verloren - war unglaublich ruehrend. Sie und andere Schicksale bewegen hoffentlich moeglichst viele zum Umdenken in dem Sinne, dass Frieden in Israel/Palaestina erreicht werden kann, wenn die Menschen aufeinander zugehen, miteinander sprechen, einander (versuchen zu) verstehen und kooperieren. Dieser letzte grosse inhaltliche Part war fuer mich sehr wichtig, da er wenigstens ein kleines Licht am Ende des langen, dunklen Tunnels des komplizierten Konflikts im Nahen Osten bietet.
Kurze Zeit spaeter sahen wir unsere "Scouts" zum Abendessen und anschliessendem Ausgehen wieder. Ich war froh Rabih wiederzutreffen und genoss den Abend, den wir in einem arabischem Restaurant in Ost-Jerusalem mit reden, Tee trinken und Shisha rauchen verbrachten. Nachdem wir uns von Rabih und seiner netten Frau verabschiedet hatten, trafen wir unsere Mitreisenden in einer Kneipe in einem ruhigen Innenhof, wo ich kurz bevor wir aufbrachen die Nichte Yitzhak Rabins (wenn sie mich nicht veraeppelt hat), die gerade Soldatin ist, kennenlernte - so klein ist die Welt (oder genauer Israel).
Am Morgen des letzten gemeinsamen Tages ging ich wie die meisten nach einer anschliessenden Auswertung auf den Tempelberg, wo wir die letzte Fuehrung mit unserer Stadtfuehrerin Shlomit geniessen durften. Leider war es nur MuslimInnen erlaubt, in die Al-Aqsa-Moschee und den Felsendom zu gehen. Deshalb warte ich sehnsuechtig auf die Bilder und Videos von Mehmet, Rebecka und Ghada, denen es vergoennt war reinzugehen!
Nun ging es uns Hotel zurueck zum Packen und schon sassen wir im Bus nach Tel Aviv. Die Zeit raste wie wild und dann standen wir schon am Flughafen und verabschiedeten uns voneinander, abgesehen von denen, die wie ich noch laenger blieben. Doch davon morgen mehr...

Jetzt sind auch die letzten Bilder aus und um Jerusalem verfuegbar!

Die "Mauertour":
Uebersichtskarte

Palaestinensische Haueser, von denen aus waehrend der 2. Intifada...

auf diese juedischen Haeuser geschossen wurde.

Links eine israelische Strasse, rechts die Mauer

Bemalter Teil der Mauer

Eine juedische Siedlung (durch hohen Zaun mit Stacheldraht und eigene Polizeistation gesichert)

Hier ein Groessenvergleich

Kleine Auswahl von Spruechen und Parolen:




Wieder in Jerusalem:



Grossse Baerenkunstausstellung:


Fuer den Weltfrieden!

Was macht der Kerl denn da neben dem Kuba-Baer?

Damaskustor

Karte in Ostjerusalem

An der Klagemauer

Glueckliche "MuslimInnen", die in die Al-Aqsa-Moschee duerfen

Wir "Unglaeubigen" sehen nicht mehr als das :-(

...und muessen uns Angeboten von nicht erwuenschten Fuehrungen erwehren.
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