23. Oktober 2007

Erste Tage in En Gev

Nun bin ich schon fast eine Woche im Kibbuz En Gev und moechte kurz schildern wie es mir hier bisher ergangen ist. Der erste Eindruck hat sich bestaetigt: Es ist sehr angenehm hier - nicht nur die Freizeit mit den anderen Freiwilligen und dem See Genezareth praktisch vor der Haustuer, sondern auch die Arbeit macht Spass, weil ich mich besser behandelt fuehle als in Lahav. Dort hat sich mein Kollege zwar zum Feierabend fuer meine Hilfe bedankt, aber er hat mich auch oefters wegen laecherlicher Kleinigkeiten kritisiert - wie ich finde zu Unrecht, denn ich habe gut und schnell gearbeitet und ausserdem bin ich ja ein Freiwilliger, keine Vollzeitkraft. Ich wurde aber bestenfalls so gut behandelt, aber (abgesehen vom Wohnen, Essen und Taschengeld) nicht bezahlt. In En Gev gibt es allerdings noch weniger Zuschuss zum Essen und ich habe nicht mehr den Luxus eines eigenen Zimmers mit Doppelbett. Zudem kann hier kaum noch von einem Kibbuz im engeren Sinne gesprochen werden, weil er anscheinend wenig mit den sozialistischen Idealen der Gruendungszeit (1937) zu tun hat, sondern schon hochgradig privatisiert ist.* Im Gegensatz zu Lahav haben die Leute hier z.B. eigene Autos und werden unterschiedlich bezahlt. Nach meiner Einschaetzung geht es in erster Linie ums Geschaeft (Tourismus), nicht mehr um das gleichberechtigte Zusammenleben ohne (grosse) soziale Unterschiede. Die Kibbuzniks in Lahav sind - trotz aller Veraenderungen - da noch deutlich naeher am Sozialismus als der Kibbuz im Norden: Die Mitglieder bekommen ja immer noch Taschengeld anstatt unterschiedlicher Loehne, leben recht spartanisch (was nicht heissen soll, im Sozialismus müsse jedeR arm sein) und sind staerker an sozialem Ausgleich interessiert. Wenn ich weitere interessante Details ueber En Gev erfahre, werde ich sie natuerlich veroeffentlichen.
Nun zur Arbeit in En Gev: An meinem ersten Tag war ich im Fisch-Restaurant direkt am See Genezareth. Hauptsaechlich habe ich bedient, abgeraeumt und geputzt. Zur Mittagszeit war es sehr stresssig, aber insgesamt war es OK. Seit Sonntag arbeite ich mit Clare und Jesse (heute war sein letzter Tag) im Garten. Gluecklicherweise ist der Chef sehr nett und die Arbeit scheint abwechselungsreich zu sein. Vor allem bin ich aber froh, nach fuenf Wochen im Speisesaal draussen zu arbeiten.
Noch etwas zu den Freiwilligen: Zur Zeit sind wir 25 Menschen aus Australien, China, Deutschland, Frankreich, Kanada, Kolumbien, Mexiko, den Niederlanden, Suedafrika und den USA.

* Siehe zur Ergänzung der Einschätzung, inwieweit En Gev noch ein "waschechter" Kibbutz ist, den Beitrag Doch mehr Kibbuz als gedacht.
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