Bin gerade aus Frankreich zurückgekommen und habe von meinem dortigen Aufenthalt noch einiges zu berichten und auch Bilder zu zeigen. Da ich aber gerade viel zu tun habe (ich weiss: so wie eigentlich immer...), vor allem ein Blockseminar am Wochenende, aber auch noch so manches an Vorbereitung für meinen Studienaufenthalt an der Université Laval in Québec, kann es sein, dass die entsprechenden Beiträge bis nächste Woche eher spärlich gesät sein werden. Ich bitte mal wieder um Geduld!
13. Dezember 2007
11. Dezember 2007
Shock Doctrine - Schock-Strategie
Lenora Todara, Village Voice, December 5, 2007
More reviews can be found here.
The Shock Doctrine: A short film by Alfonso Cuarón and Naomi Klein
Vor kurzem bin ich durch unten stehende Rezension auf das neue Buch von Naomi Klein aufmerksam geworden. Obige Rezension und der Kurzfilm geben einen Eindruck des Inhalts auf englisch. Für deutschsprachige Interessierte habe ich den folgenden Text aus der jungen Welt entnommen.
Nihilismus mit System
Reißerisch ist daran nichts: Mit »Schock-Strategie« hat Naomi Klein ein hervorragendes Buch geschrieben
Christoph Jünke, junge Welt Rezension vom 17.11.07
Lenins Satz, daß der Kapitalismus seinen Gegnern und Opfern auch noch den Strick verkauft, an dem er sie aufhängt, gilt weiterhin. Nichtsdestotrotz ist die geschichtliche Entwicklung bereits einen gehörigen Schritt weiter gegangen. Nachdem vor zwei Jahren der Wirbelsturm »Katrina« New Orleans zerstört hatte, beauftragte die US-Regierung die Tochterfirma eines Bestattungskonzerns, der einer der großen Geldgeber des Bush-Wahlkampfes war, mit der Einsammlung der fast 2000 Toten. 12500 Dollar pro aufgesammelte Leiche stellte die Firma der Regierung, also dem Steuerzahler, bzw. der Gesellschaft in Rechnung. Die zu bezahlende Leistung erwies sich als mangelhaft erbracht. Es häuften sich Klagen über nicht oder falsch registrierte Tote, die auch noch sehr gemächlich eingesammelt wurden: Noch nach einem Jahr wurden verweste Leichen auf Dachböden gefunden.
In ihrem neuen Buch »Die Schock-Strategie«, das sofort nach Erscheinen zum Bestseller wurde, versammelt Naomi Klein viele solcher kleinen und großen Geschichten. Doch darauf spielt ihr Titel nicht an. Mit Schock-Strategie bezeichnet sie den Umstand, daß die Herrschenden gelernt haben, gesellschaftliche Katastrophen jeder Art für ihre Zwecke auszunutzen. Das Desaster gilt ihnen als entzückende Chance, mittels ökonomischer Deregulierung ehemals staatlich-gesellschaftliche Aufgaben zu privatisieren. Selbstredend werden dabei die Verluste sozialisiert.
Die Konsequenzen dieser »Schock-Strategie« zeichnet Klein für das letzte halbe Jahrhundert nach. Dabei schreibt sie, anders als es die bürgerlichen Medien kolportieren, keinesfalls reißerisch. Im besten traditionellen Sinn wird man hier aufklärt über das Ausmaß der ökonomischen Barbarisierung und über deren gesellschaftspolitische Bedingungen. Wer nicht den Kopf verlieren will in einer Zeit, die hierzu einlädt, muß »Schock-Strategie« lesen, anstatt sich das Buch nur in das Regal zu stellen. Mit journalistischer Verve und mit detektivischem Sinn hat Klein die (nicht selten geheime) Geschichte des neoliberalen Kapitalismus in Lateinamerika, Asien, Osteuropa und der USA aufgeschrieben.
Wo andere nur oberflächliche Ähnlichkeiten einzelner Phänomene ausmachen können, stiftet sie Zusammenhänge. Was hat der Wirbelsturm »Katrina« mit dem Irak-Krieg zu tun? Wie hängt die Aufstandsbekämpfung gegen die lateinamerikanische Guerilla der 1960er Jahre mit dem Finanzcrash in Asien Ende der 1990er Jahre zusammen? Und wie die lateinamerikanische Schuldenkrise mit der ökonomischen Schock-Strategie, die nach 1989 in Osteuropa angewendet wurde? Besteht eine Verbindung zwischen den Folterbildern aus Abu-Ghraib und den wissenschaftlichen Forschungen eines Psychiaters in den 1950er Jahren?
Bei der Klärung dieser Fragen bündelt Klein viele wichtige Arbeiten zur Kritik des Neoliberalismus. Das macht das hervorragende Buch nicht nur zu einer interessanten Form von Netzwerkarbeit, sondern auch zu einem Kompendium. Sehr überzeugend verdeutlicht sie die neue Qualität der Entstaatlichung. Sie stellt einleuchtend dar, wie die US-Regierung nach dem Schock des 11. September 2001 den eigenen Staat aushöhlt: Unter dem Banner des »Kampfes gegen den Terror« wird ein ökonomischer Katastrophen-Kapitalismus-Komplex als neue Leitindustrie durchgesetzt, der auf der umfassenden Privatisierung des Krieges und des weltweiten Katastrophenschutzes aufbaut. So wird ein neuer Sicherheitsstaat geschaffen, der der neoliberalen Vision eines gleichsam hohlen Staates entspricht. Das ist eine Herausforderung für jede Diskussion um das Wesen und die Zukunft heutiger Demokratien.
Wie sonst nur wenige zeigt Klein auf, daß die durchschlagende Politik der Deregulierung und Privatisierung gesellschaftlichen Reichtums keine Leidenschaft esoterischer Entscheidungsträger ist, sondern das Mittel eines Herrschaftsprojektes. Dieser Klassenkampf von oben reagiert auf die radikaldemokratischen Bedürfnisse und Bewegungen, indem er ihnen nicht nur die institutionellen Grundlagen ihrer »Gegenmacht« entzieht, sondern ihnen auch noch das Bewußtsein ihrer (wie auch immer kollektiv verankerten) individuellen Identität nimmt. Es waltet ein Nihilismus mit System, der sich in neueren Foltermethoden auf erschreckende Weise niederschlägt. Hier kann von einem falschen Moralismus keine Rede sein, denn trotz der berechtigten moralischen Anklage dieser Greuel betont Klein gerade, daß es entscheidend sei, zu fragen, wem und welchen Zielen diese Foltermethoden nützen?
Zu den dümmsten Vorwürfen gegen ihr Buch, die man im deutschen Feuilleton und Fernsehen lesen und hören mußte, gehört die Behauptung, Klein vertrete eine Verschwörungstheorie. Statt dessen demonstriert sie, daß das Handeln bestimmter Individuen und Pressure-Groups einer eigenen Rationalität folgt. Diese ergibt sich aus dem Denken und Handeln der sogenannten Chicagoer Schule des Neoliberalismus. Heraus kommt ein entfesselter Kapitalismus, der offen auf individuelles Gewinnstreben und ungezügelte Bereicherungsgier setzt, um die vermeintlichen Kräfte der Marktwirtschaft zu beleben – als ob diese nicht schon viel zu lebendig wären. Die gemeinschaftlichen und demokratischen Traditionen werden dabei ebenso zerstört wie jede Form gesellschaftlicher Solidarität verhindert. Was dem Indivualismus entgegensteht, wird unter Generalverdacht gestellt. Für Klein ist es klar, daß nur die Bedürfnisse und Bewegungen für Solidarität und radikale Demokratie einen Ausweg aus dieser tiefen gesellschaftlichen Krise zu weisen vermögen.
In ihrem neuen Buch »Die Schock-Strategie«, das sofort nach Erscheinen zum Bestseller wurde, versammelt Naomi Klein viele solcher kleinen und großen Geschichten. Doch darauf spielt ihr Titel nicht an. Mit Schock-Strategie bezeichnet sie den Umstand, daß die Herrschenden gelernt haben, gesellschaftliche Katastrophen jeder Art für ihre Zwecke auszunutzen. Das Desaster gilt ihnen als entzückende Chance, mittels ökonomischer Deregulierung ehemals staatlich-gesellschaftliche Aufgaben zu privatisieren. Selbstredend werden dabei die Verluste sozialisiert.
Die Konsequenzen dieser »Schock-Strategie« zeichnet Klein für das letzte halbe Jahrhundert nach. Dabei schreibt sie, anders als es die bürgerlichen Medien kolportieren, keinesfalls reißerisch. Im besten traditionellen Sinn wird man hier aufklärt über das Ausmaß der ökonomischen Barbarisierung und über deren gesellschaftspolitische Bedingungen. Wer nicht den Kopf verlieren will in einer Zeit, die hierzu einlädt, muß »Schock-Strategie« lesen, anstatt sich das Buch nur in das Regal zu stellen. Mit journalistischer Verve und mit detektivischem Sinn hat Klein die (nicht selten geheime) Geschichte des neoliberalen Kapitalismus in Lateinamerika, Asien, Osteuropa und der USA aufgeschrieben.
Wo andere nur oberflächliche Ähnlichkeiten einzelner Phänomene ausmachen können, stiftet sie Zusammenhänge. Was hat der Wirbelsturm »Katrina« mit dem Irak-Krieg zu tun? Wie hängt die Aufstandsbekämpfung gegen die lateinamerikanische Guerilla der 1960er Jahre mit dem Finanzcrash in Asien Ende der 1990er Jahre zusammen? Und wie die lateinamerikanische Schuldenkrise mit der ökonomischen Schock-Strategie, die nach 1989 in Osteuropa angewendet wurde? Besteht eine Verbindung zwischen den Folterbildern aus Abu-Ghraib und den wissenschaftlichen Forschungen eines Psychiaters in den 1950er Jahren?
Bei der Klärung dieser Fragen bündelt Klein viele wichtige Arbeiten zur Kritik des Neoliberalismus. Das macht das hervorragende Buch nicht nur zu einer interessanten Form von Netzwerkarbeit, sondern auch zu einem Kompendium. Sehr überzeugend verdeutlicht sie die neue Qualität der Entstaatlichung. Sie stellt einleuchtend dar, wie die US-Regierung nach dem Schock des 11. September 2001 den eigenen Staat aushöhlt: Unter dem Banner des »Kampfes gegen den Terror« wird ein ökonomischer Katastrophen-Kapitalismus-Komplex als neue Leitindustrie durchgesetzt, der auf der umfassenden Privatisierung des Krieges und des weltweiten Katastrophenschutzes aufbaut. So wird ein neuer Sicherheitsstaat geschaffen, der der neoliberalen Vision eines gleichsam hohlen Staates entspricht. Das ist eine Herausforderung für jede Diskussion um das Wesen und die Zukunft heutiger Demokratien.
Wie sonst nur wenige zeigt Klein auf, daß die durchschlagende Politik der Deregulierung und Privatisierung gesellschaftlichen Reichtums keine Leidenschaft esoterischer Entscheidungsträger ist, sondern das Mittel eines Herrschaftsprojektes. Dieser Klassenkampf von oben reagiert auf die radikaldemokratischen Bedürfnisse und Bewegungen, indem er ihnen nicht nur die institutionellen Grundlagen ihrer »Gegenmacht« entzieht, sondern ihnen auch noch das Bewußtsein ihrer (wie auch immer kollektiv verankerten) individuellen Identität nimmt. Es waltet ein Nihilismus mit System, der sich in neueren Foltermethoden auf erschreckende Weise niederschlägt. Hier kann von einem falschen Moralismus keine Rede sein, denn trotz der berechtigten moralischen Anklage dieser Greuel betont Klein gerade, daß es entscheidend sei, zu fragen, wem und welchen Zielen diese Foltermethoden nützen?
Zu den dümmsten Vorwürfen gegen ihr Buch, die man im deutschen Feuilleton und Fernsehen lesen und hören mußte, gehört die Behauptung, Klein vertrete eine Verschwörungstheorie. Statt dessen demonstriert sie, daß das Handeln bestimmter Individuen und Pressure-Groups einer eigenen Rationalität folgt. Diese ergibt sich aus dem Denken und Handeln der sogenannten Chicagoer Schule des Neoliberalismus. Heraus kommt ein entfesselter Kapitalismus, der offen auf individuelles Gewinnstreben und ungezügelte Bereicherungsgier setzt, um die vermeintlichen Kräfte der Marktwirtschaft zu beleben – als ob diese nicht schon viel zu lebendig wären. Die gemeinschaftlichen und demokratischen Traditionen werden dabei ebenso zerstört wie jede Form gesellschaftlicher Solidarität verhindert. Was dem Indivualismus entgegensteht, wird unter Generalverdacht gestellt. Für Klein ist es klar, daß nur die Bedürfnisse und Bewegungen für Solidarität und radikale Demokratie einen Ausweg aus dieser tiefen gesellschaftlichen Krise zu weisen vermögen.
* Naomi Klein: Die Schock-Strategie. Der Aufstieg des Katastrophen- Kapitalismus: Fischer-Verlag, 763 Seiten, Frankfurt am Main, 22,90 Euro.
10. Dezember 2007
Change - Changement - Änderung
Da mich in letzter Zeit einige Leute aus Frankreich darauf angesprochen haben, dass sie sich nicht gut auf meiner Seite zurechtgefunden haben, weil fast alles auf deutsch ist, habe ich das Seitenelement "Über mich" an die erste Stelle der rechten Spalte verschoben, damit neue BesucherInnen meines Blogs eine kurze Einführung und Orientierungshilfe auf den ersten Blick sehen können. Die kurzen Hinweise auf englisch und französisch sollen nicht-deutschsprachigen Interessierten helfen.
Since there where some first time visitors telling me that they could not really find their way through the blog because the biggest part of it is written in German. That's why I put the page element "About me" on top in order to give them a first orientation and some short information in English and French.
Quelques personnes ont dit qu'ils pouvaient pas s'orienter sur mon blog à cause du faite que la plupart des infos et textes est en allemand. C'est pourquoi j'ai mis l'élément "A propos de moi" avec quelques information de base aussi en anglais et français en haut de la page.
Since there where some first time visitors telling me that they could not really find their way through the blog because the biggest part of it is written in German. That's why I put the page element "About me" on top in order to give them a first orientation and some short information in English and French.
Quelques personnes ont dit qu'ils pouvaient pas s'orienter sur mon blog à cause du faite que la plupart des infos et textes est en allemand. C'est pourquoi j'ai mis l'élément "A propos de moi" avec quelques information de base aussi en anglais et français en haut de la page.
9. Dezember 2007
Shakespearean Insults Generator
For all new and old friends and readers of probably the greatest poet of all time I present the smart and funny Shakespearean Insults Generator. Everyone who wants to know how to swear and insult on a very high level with Shakespeare's words can learn it here. Enjoy!
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International,
Spaß/Fun
6. Dezember 2007
And the worst EU lobbyist is...
...BMW, Daimler & Porsche!
Die deutschen Autohersteller sind die Gewinner des Worst EU Lobbying Award 2007. Der Preis wurde ihnen aufgrund ihrer europäischen Kampagne für die Verwässerung und Verzögerung von verpflichtenden CO2-Reduktionszielen verliehen.
Das Deutsche Atomforum erhält den Grünfärbe-Sonderpreis für den unverfrorensten Versuch, der Atomenergie mit der Kampagne “Deutschlands ungeliebte Klimaschützer” ein ungerechtfertigtes grünes Image zu verschaffen.
An der auch hier beworbenen Abstimmung haben über 6.500 Menschen teilgenommen. Der Preis und die weiteren Aktivitäten der beteiligten Organisationen (s.u.) sorgen auch in Zukunft für eine möglichst breite und kritische Öffentlichkeit im Lobbydschungel Brüssels und darüber hinaus.
Die deutschen Autohersteller sind die Gewinner des Worst EU Lobbying Award 2007. Der Preis wurde ihnen aufgrund ihrer europäischen Kampagne für die Verwässerung und Verzögerung von verpflichtenden CO2-Reduktionszielen verliehen.
Das Deutsche Atomforum erhält den Grünfärbe-Sonderpreis für den unverfrorensten Versuch, der Atomenergie mit der Kampagne “Deutschlands ungeliebte Klimaschützer” ein ungerechtfertigtes grünes Image zu verschaffen.
An der auch hier beworbenen Abstimmung haben über 6.500 Menschen teilgenommen. Der Preis und die weiteren Aktivitäten der beteiligten Organisationen (s.u.) sorgen auch in Zukunft für eine möglichst breite und kritische Öffentlichkeit im Lobbydschungel Brüssels und darüber hinaus.
Bilder, ein Video und nähere Infos zu der Preisverleihung und den "Gewinnern" gibt's unter www.lobbycontrol.de (deutsch) und www.worstlobby.eu (deutsch, English, français).
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