3. November 2008

Continente Rebelde

Ich habe am Wochenende kurzentschlossen Pause von VWL gemacht und war wie ca. 500 andere in Mannheim auf dem sehr spannenden Attac-Kongress zu Lateinamerika "Continente Rebelde - Alternativen zum Neoliberalismus". Dort gab es ein vollgepacktes Programm mit vielen parallel laufenden interessanten Veranstaltungen. Da fiel die Wahl zwar schwer, aber ich bin mit der meinigen durchaus zufrieden.
Nach der Podiumsdiskussion über die partizipativen verfassungsgebenden Prozesse in Ecuador und Bolivien am Freitag war ich auf einer tollen musikalischen Lesung der chilenischen in Münster lebenden Künstlerin Isabel Lipthay.
Samstag vormittag informierte ich mich dann bei Luz Kerkeling über die aktuellen Entwicklungen der zapatistischen Bewegung im Seminar "Chiapas im Visier von Politik und Kapital".
Nach kurzer Pause nahm ich am Forum "Soziales Eigentum" mit Vertretern aus Kuba (Uniprof Dario Machado) und Venezuela (Rafael, Attac AG Lateinamerika und Manuel Campos von der IG-Metall teil, um die Erfahrungen in den beiden Ländern in Verbindung mit gewerkschaftlichen Kämpfen in der BRD zu bringen und auszuloten, ob und wie soziales Eigentum, hier mehr Einfluss gewinnen kann, um sozial verantwortliches Wirtschaften zu fördern. Im anschließenden Workshop "Sozialismus oder Sozialstaat" diskutierte wiederum Dario Machado mit den BotschafterInnen Ecuadors und Venezuelas und einer bolivianischen Abgeordneten die Herausforderungen, Praktiken, Fehler und Erfahrungen des Sozialismus in Lateinamerika im 21. Jahrhundert, die die Moderatorin Kerstin Sack durch Nachfragen für die Mobilisierung zum Widerstand in der BRD nutzbar zu machen versuchte. Die Antworten bezogen sich vor allem auf die notwendige demokratische Teilhabe der Bevölkerung wie sie in den oben erwähnten Prozessen für neue Verfassungen deutlich wurden, die Notwendigkeit eines besseren Lebens mit Rücksicht auf Mensch und Natur, welches sich nicht im Kapitalismus verwirklichen lasse, die Rolle des Bewusstseins und der Ethik im antikapitalistischen Widerstand, und die Wichtigkeit der Einheit der Bewegung bei Beibehaltung der Vielfalt, d.h. das Ziel, eines besseren Lebens für alle muss notwendigerweise auf ganz verschiedenen lokalen Wegen angestrebt werden.
Eine Buchvorstellung (Sozialstruktur in Lateinamerika) von Mitstudierenden aus Marburg war der letzte politische Programmpunkt, bevor es zum Konzert von La Papa Verde ging, an das sich eine Party mit den DJs von Lucha Amada anschloss.
Sonntag vormittag fuhr ich sehr inspiriert und zufrieden zurück und freue mich schon auf die nächsten Attac-Kongresse über Alternativen zum Kapitalismus und Solidarische Ökonomie (in Planung), um weiter an einer anderen Welt zu basteln und mich mit anderen Interessierten auszutauschen. Die aktuellen politischen Prozesse in Lateinamerika zeigen dabei nicht nur, dass eine andere Welt bereits im Entstehen ist, sondern auch die Notwendigkeit einer massiven Mobilisierung überall dort, wo wir Veränderungen erkämpfen wollen, denn der Politikwechsel auf dem "rebellischen Kontinent" basiert auf sehr starken sozialen Bewegungen, die diesen erst ermöglicht und erzwungen haben.
Einen kurzen Kongressbericht gibt es übrigens auch bei Attac.
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